Hausdurchsuchung! - Polizei erwischt Musikpiraten
Ich gehöre ja zu den Älteren hier im Forum und mir ist die
Vorstellung, dass Kommerz sich derart mit der Staatsgewalt verzahnt,
noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Da sträuben sich mir die
Nackenhaare.
Da wird ein Riesen-Vorsichts-Theater gemacht, wenn es darum geht,
Gewaltverbrecher dingfest zu machen. Ob man denn auch deren
Bürgerechte genügend berücksichtigt hat?
Wenn dagegen jemand im Verdacht steht, Musik ins Netz zu stellen,
dann stellt ein Richter ruck-zuck einen Hausdurchsuchungsbefehl aus.
Ich will hier nicht die Ungesetzlichkeit der Sache in Frage stellen,
ich plädiere nur für eine Verhältnismäßigkeit der Mittel in unserem
Staat.
Das würde ja wohl reichen, wenn man dem Betroffenen erst mal eine
Unterlassungsanweisung ins Haus schickt. Wenn der merkt, dass man ihn
auf dem Kieker hat und seinen Namen kennt, wird er bestimmt keine
MP3s mehr ins Netz stellen.
Aber offensichtlich geht es der MI-Lobby hier um die Abschreckung als
solches. Deswegen auch die vollmundige Presseerklärung. Was sie wohl
bedauern, dass bei uns die Todesstrafe nicht mehr zugelassen ist. Das
wäre doch die absolute Abschreckung für Musikpiraten. Oder übertreibe
ich da jetzt?
Ja natürlich übertreibe ich, aber in Relation nicht mehr, als die
Staatsgewalt zusammen mit der MI bei ihren Aktionen.
Es gibt dafür einen Ausdruck: Drakonische Strafmaßnahmen.
Solche Missverhältnisse zwischen Tat und Ahndung sind eigentlich
typisch für totalitäre Staaten, geführt von Psychopathen. Dahinter
steckt so etwas wie Volkserziehung oder Umerziehung des Volkes, damit
natürliche Ablehnung (vergl. Wilhelm Tell, Ziehen des Hutes vor einer
Statue) überwunden wird. Das kennen wir aus der Geschichte.
Ich nenne so etwas Volks-Nötigung.
Ich brauche die MI nicht mehr. Seit Sonntag surfe ich öfter mal bei
http://www.iuma.com/
und bin schon fündig geworden. Die nächste Fete wird mit “freier”
Musik gestaltet. Dafür spende ich gerne mal etwas oder mache Werbung
für die Gruppen, gehe in ihre Konzerte und bezahle dafür Eintritt. So
stelle ich mir das Musikergeschäft vor.
Ob die MI noch soweit geht, dass sie auch das Hören von “freier”
Musik verbieten, dass also überhaupt nur noch die Musik angeboten
werden darf, die den Segen der MI hat?
Ob es ihnen gelingt, die Straßenmusikanten als solche zu
kriminalisieren?
Ist aus jetziger Sicht doch wohl lächerlich.
Aber hätte mir vor 10 Jahren jemand gesagt, dass man eine
Hausdurchsuchung bei jemandem veranstaltet, der über einen
Netzwerkanschluß den Zugriff auf Musikdateien erlaubt, hätte ich das
auch als lächerlich abgetan.
knC